Teensmag 5/2001
Mit freundlicher Genehmigung von www.teensmag.net.
Mortification gilt als eine der härtesten Bands. Ihr Name bedeutet Demütigung, hat aber nichts mit Mord und Totschlag zu tun. Ihr Motto: Gute und harte Musik, je härter desto besser. Im Fachjargon eine Death-Metal Mischung aus Grindcore, Extreme Metal und Thrash Metal. TeensMag hat bei Mortification reingehört.
Aus der Band Lightforce der 80er-Jahre entstand 1990 Mortification. Der Einzige, der seit Beginn dabei ist, ist Steve Rowe, der Bandleader. Mit von von Partie sind im Moment Lincoln Bowen (Guitars) und Adam Zaffarese (Drums). Steves Vision ist es, den Leuten der Metal-Szene die Botschaft von Jesus zu bringen. Er ist Mitglied der "Assemblies Of God"-Kirche und offizieller Missionar des Missionswerks "Harvest Christian Life Center" in Melbourne/Australien. Seit geraumer Zeit ist die Band beim säkularen Laben Nuclear Blast. Steves eigenes Label hingegen, Rowe Productions , bietet christlichen Extreme-Metal-Bands die Möglichkeit, ihre Kunst und ihren Glauben weltweit auszudrücken. Bands wie Metanoia, Horde, Gnashing Of Teeth, BioGenesis und Cybergrind sind dort untergebracht.
Ende September 1996 lautete die Diagnose von Steves Ärzten: Akute lymphatische Leukämie (Blutkrebs). Er bekam eine Rückenmarktransplantation von seinem Vater und begann eine einjährige Chemotherapie. Einmal, als ihm die Ärzte nur noch zwei Stunden zu leben gaben, schickten sie ihn nach Hause. Dort wurde er von Krankenschwestern aus seiner Gemeinde rund um die Uhr gepflegt und versorgt, während andere Leute ohne Unterbrechung für ihn beteten. Am nächsten Tag ging es ihm wieder besser. Heute ist Steve vom Krebs geheilt, hat aber wegen der vielen Operationen Lähmungserscheinungen. Dank der Physiotherapie kann er am Stock gehen. Steve sagt, dass er es ohne seine Gemeinde nicht geschafft hätte.
Wie würdet ihr für nicht so geübte Ohren euren Stil definieren?
Steve: Ich würde es zuerst als Heavy Metal bezeichnen, aber mehr auf der extremen Seite. Wir spielen vor allem Death Metal, klassischen Metal, Thrash Metal und Hardcore.
Lincoln: Aggressiv! Sehr aggressiv und laut. Laut und ausdrucksstark.
Wie seid ihr dazu gekommen, solche Musik zu spielen?
Steve: Mit acht Jahren begann ich Heavy Metal zu hören. Mein Bruder hörte Deep Purple und Black Sabbath. Durch ihn begann ich solche Musik zu mögen. Als Teenager hörte ich Iron Maiden und Ähnliches. Dadurch kam ich von der Kirche weg, ich passte nicht mehr dazu. Aber jemand aus der Gemeinde gab mir eine CD einer christlichen Heavy-Metal-Band, der "Resurrection Band", auch bekannt als Rez Band. Das war mein Schritt zurück in die Kirche und zurück zu meinem christlichen Glauben. Die Mischung aus christlicher Botschaft und Heavy Metal faszinierte mich. Aber es passte nicht richtig in die Kirche, denn Heavy Metal ist eine Subkultur. Und ich wollte auch Nichtchristen von Jesus erzählen. So machte ich es mir zur Lebensaufgabe die Musik, die ich liebe, mit der christlichen Botschaft zu versehen.
Adam: Mein Vater spielte in den 80ern in einer Rockband namens Rosanna's Riders. So bin ich mit Heavy Metal aufgewachsen.
Lincoln: Sein Vater ist der einzige Schlagzeuger der Welt, der noch lauter spielt als er!
Adam: Ja, ich denke, ich habe mein Talent von ihm geerbt. Als mein Vater noch jünger war, setzte er mit seinem Können fast das Schlagzeug in Flammen und headbangte dazu. Ich kann mir das nicht in diesem Stil erlauben.
Lincoln: Durch meinen Bruder hörte ich Petra. Als meine Freunde begannen härtere Musik wie Deliverance zu hören, faszinierte mich vor allem die Gitarre, die schneller und komplizierter gespielt wurde. So kaufte ich mir auch solche Tapes.
Manche Leute denken, dass etwas schief gelaufen sein muss im Leben eines Menschen, der solche Musik überhaupt mag.
Lincoln: Du musst schon schräg sein, dass dir Heavy Metal gefällt. Viele sind es. Andere Leute machen dafür Sport.
Steve: Heavy Metal ist Sport. Die Leute springen herum, das braucht Energie. Manche Kirchenleute sagen, es sei Teufelsmusik. Aber die christliche Botschaft ist meiner Ansicht nach die stärkste Botschaft der Welt. Und eine der besten Methoden sie zu verbreiten, ist mit starker, kraftvoller Musik. Mit unserer Musik können wir Leute erreichen, die andere nie erreichen. Wir sind wie sie aus derselben Subkultur.
Welche Reaktionen provoziert eure Musik?
Steve: Viele Satanisten verwünschen und verfluchen uns, weil sie denken, dass Heavy Metal ihre und somit Satans Musik sei. Auch viele Christen reagieren nicht sehr freundlich. Aber sie verstehen nicht, dass wir Menschen erreichen. Viele Satanisten haben auch Respekt vor uns.
Habt ihr Kontakt zu säkularen Bands?
Steve: Natürlich, wir spielen bei säkularen Festivals. Wir haben persönlichen Kontakt vor allem zu den Bands aus dem Nuclear-Blast-Label. Wir gehen mit ihnen auf Tour. In Melbourne selbst spielen wir die ganze Zeit mit solchen Bands in den Clubs.
Steve, du hattest Leukämie. Was wurde dir in dieser Zeit wichtig?
Steve: Hauptsächlich, dass ich jederzeit auf Gott vertraue, ihm näher bin. Im Verlauf der Krankheit stehst du immer an einem Punkt, wo du fast stirbst. Zweimal gaben mir die Ärzte nur noch zwei Stunden zu leben. Irgendwie ist es das Schlimmste, aber auch das Beste, das mir je zugestoßen ist. Es hat mich gelehrt, dass sich das Leben - so steht es in der Bibel - wie ein Duft verflüchtigen kann. Mit 33 Jahren hätte ich sterben sollen, jetzt bin ich 36. Dem Tod so nahe gewesen zu sein gibt mir die Energie, die Welt zu bereisen und den Leuten von meinem Glauben zu erzählen. Ich weiß, dass das Leben im Vergleich zur Ewigkeit sehr kurz ist.
Ihr seid viel unterwegs ...
Steve: Ja, überall auf der Welt treffen wir Leute, die wegen Mortification zu Jesus Christus umgekehrt oder näher zu Gott gekommen sind. Ein Mann aus Südafrika zum Beispiel hat mir gesagt, er sei in einen CD-Shop gegangen und habe eine unserer CD's gekauft, nur weil sie gut aussah und weil es Heavy Metal war. Zu Hause merkte er, dass es eine christliche Band war. Er las das Übergabegebet und den Hinweis, dass man sich an eine Kirche wenden solle. Seit einem Jahr ist er aktiver Christ in einer Baptistengemeinde. Meistens bekehren sich die Leute nicht bei einem Konzert, aber wie säen diese Botschaft. Hunderte von Menschen haben sich aufgrund von Mortification für Jesus entschieden, vielleicht sogar Tausende.
Adam, du bist seit gut einem Jahr bei der Band, damals warst du 15. Wie hast du Steve kennen gelernt?
Adam: Als ich ein Baby war, haben mich Steve und seine Frau gesittet, wenn meine Eltern mal fort wollten. Schon mit vier spielte ich Schlagzeug.
Hattet ihr auch schon Probleme, weil du so jung bist?
Adam: Einmal in einem Club in Australien wollte man mich nicht reinlassen, bis Steve auftauchte und ihnen sagte, dass ich der Schlagzeuger sei.
Wenn ihr Gott anbetet, welche Musik singt und hört ihr da?
Steve: Ich höre oft Lobpreis und Anbetungslieder. Die Musik von Iona gefällt mir gut. Und wir hören auch Glenn Kaiser und häufig christliches Radio.
Adam: Neben Heavy Metal höre ich gerne Popmusik einer australischen Band.
Lincoln: Ich höre auch manchmal Iona wie Steve. Daneben mag ich Lobpreis und Anbetungsmusik. Ich mag Snubnose, mit denen wir schon mal zusammen gespielt haben. Meine Lieblingsband ist Living Sacrifice, eine Heavy-Metal-Band.
Habt ihr eine Message an die TeensMag-Leser/innen?
Steve: Suche dir eine gute Gemeinde, wenn du noch in keiner bist. Versuche, ein Leben nach Gottes Willen zu leben. Ein Leben, das ihn ehrt.
Lincoln: Wenn du etwas falsch gemacht hast, ist das nicht das Ende der Welt.
Adam: Als ich zur Band kam, war mein Leben ein durcheinander, obwohl meine Eltern Christen waren. Steves Worte hatten Einfluss auf mein Leben. Wenn es dir ähnlich geht, such dir jemanden, mit dem du darüber sprechen kannst oder lies unsere Songtexte.
Interview von Daniela Roth und Aaron Wernli