Legacy April/Mai 2001
Die australische Band Mortification ist mittlerweile eine der dienstältesten Kapellen bei Nuclear Blast, zudem musikalisch immer für eine Überraschung gut und nicht zuletzt wegen ihrer konsequenten (Pro-) Einstellung zum Christentum seit je her ein Reizthema gewesen. Nun sind zwar überzeugte Christen nicht unbedingt mein Metier, aber da ich Bandleader Steve Rowe 1995 bei einer Show in meiner Krefelder Heimat als einen sehr freundlichen Menschen kennengelernt hatte, wollte ich die Gelegenheit zu einer kleinen Bestandsaufnahme nicht vorüberziehen lassen. Dies stellte sich als nicht ganz einfach heraus, da Steve kurz vor einer schweren Augenoperation stand (die er zum Glück heil überstanden hat) und ich ihm meine E-Mail in Schriftgröße 20 schicken mußte, damit er sie überhaupt lesen konnte. Beginnen wir mit dem neuen Album "The Silver Chord Is Severed", das einige Durchläufe braucht, bis man damit warm wird, dann aber mit Motörhead-mäßigen Kick Ass-Sound und einer seltsamen unterschwelligen Aggression bei den langsameren Stücken überrascht. Von den Detah Metal-Roots der Marke "Scrolls Of The Megilloth" hat man sich meilenweit entfernt.
Sind Mortification ein musikalisches Chamäleon und wären mehrere Bands nicht einfacher, als die Fans vor die bange Frage zu stellen, was sie wohl auf dem nächsten Album erwarten mag?
Viele Bands entwickeln sich, denke nur an Sepultura, Napalm Death, Metallica oder Megadeth. Unser künstlerischer Spaß, uns selbst neu zu erfinden, ist genau so wichtig, wie die Erkenntniss, daß wir Metal bleiben müssen. Das Lustige ist ja, daß ich von 12 Alben in 13 Jahren (zwei mit Lightforce '87/'88 und zehn mit Mortification zwischen 1990 und 2000) lediglich zwei als Death / Grind-Alben bezeichnen würde, obwohl ich denke, daß "Scrolls Of The Megilloth" unsere bekannteste Veröffentlichung ist.
Als ich in den frühen '80ern anfing zu spielen, kopierte ich Motörhead, Manowar, Overkill etc. und ich denke daß dort meine Musik ihren Anfang nahm, obwohl ich bereits '73 Black Sabbath, Deep Purple, Status Quo und Suzi Quattro hörte.
Letzte Woche bin ich 36 geworden. Als Lightforce zu Mortification wurden, waren wir auf dem Napalm Death / Bolt Thrower-Trip, obwohl wir es anderes angingen. Das erste Mortification-Album "Break The Curse 1990" war eher Kreator-mäßiger Thrash mit klassischem Metal gepaart. Übrigens habe ich die Scheibe gerade wiederveröffentlicht.
Mein Interesse an allen Metal-Stilen sorgt dafür, daß mein Songwriting interessant bleibt und sich entwickelt, anstatt langweilig zu werden.
Wenn man sich die Kirche(n) heute ansieht, ist es dann noch leicht ein guter Christ zu sein?
Jeder scheint irgendetwas Extremes bieten zu wollen, wir bieten die extremste Alternative, an die wir fest glauben.
Ich glaube, daß viele Satanisten-Bands es nur als Image brauchen. Ja, die "Kirche" hat viele Antworten zu geben, bezüglich ihrer Fehler. Aber schüttet das Baby nicht mit dem Badewasser aus. Christen sind auch nur Menschen, mit Fehlern wie jeder andere auch. Gott ist der Erschaffer dieses Universums und Jesus ist Gott auf Erden wandelnd. Ich denke, es ist der einzigste Weg zu ewigem Leben. Unser ganzer Kalender, Weihnachten, Ostern und die Zeit an sich kreisen um den Mensch gewordenen Gott!
Das ist etwas, das man nicht einfach wegschmeißen und nicht beachten kann. Es ist offensichtlich etwas, das jeder bedenken muß, ob man nun von einer Ewigkeit mit oder ohne Gott spricht.
Ist es für Steve kein Problem, in einem Heft wie dem Legacy zu erscheinen, in dem wohl 90% der vertretenen Bands ein antichristliches Image oder eine solche Meinung vertreten?
Auf keinen Fall. Wir spielen mit vielen Mainstream-Metal-Bands aller Schattierungenund sind akzeptiert und respektiert in der Metal-Szene hier.
Wir spielten '94 das Full Force bei euch, mit Napalm Death, Entombed und Sick Of It All, also haben wir auch schon größere Dinge durch die Jahre erlebt. Das ist, wo wir sein wollen. Es macht keinen Sinn, nur vor Bekehrten zu spielen.