Dem Tode Nahe

Es ist schon ein etwas seltsames Gefühl, wenn man ein Interview mit einer Person macht, die schon zweimal im Koma lag und dem Tod mehr als ins Angesicht geschaut hat. Mortification Sänger und Bassist Steve Rowe ist auf jeden Fall ein Mann, vor dem man Respekt haben und den Hut ziehen sollte, denn ich denke kaum einer von uns, der sich in einer Lage wie der nette Australier befindet, kann solch einen Mut und Kampfeswillen aufbringen und so eine fürchterliche Krankheit besiegen. Und nicht nur das. Der Junge hat zudem auch ein Hammeralbum eingespielt, das ganz anders klingt als seine Vorgänger und sehr 80's Thrash-lastig ist. Ein weiteres Zeichen dafür, daß Thrash wohl bald wieder Einzug in den heimischen CD Playern finden wird.

Was ist denn alles nach der letzten Platte "Triumph Of Mercy" passiert?

"Nun, diese Platte basierte auf den Erfahrungen, die ich mit meiner Krebserkrankung gemacht habe, Während den Aufnahmen zu "Triumph Of Mercy" wurde ich allerdings wieder krank. Diesmal war es aber nicht der Krebs, sondern ich war regelrecht abhängig nach den Medikamenten, wie Morphium, die mir in der Zeit verabreicht wurden. Ich mußte also mehr oder weniger einen Entzug von diesen Medikamenten machen und fiel wieder in ein Koma. Ich mußte dann im Rollstuhl sitzen und mir wurde gesagt, daß ich wahrscheinlich nicht mehr laufen könnte. Allerdings hatten wir eine Tour gebucht und ich begab mich dann in ein Rehabilitationszentrum, in dem ich das Laufen wieder erlernte. Im August letzten Jahres spielten wir dann 25 Shows in einem Monat in Amerika, die sehr erfolgreich waren. Während meiner Erkrankung bauten wir uns auch ein Aufnahmestudio auf und spielten dort dann auch unsere neue Scheibe "Hammer Of God" ein. Wir wollten eigentlich erst nach der Veröffentlichung der Platte in Europa touren, aber nun sind wir hier und Shows laufen phantastisch. In Reutlingen kamen sogar 550 Leute zu unserem Auftritt. Damit hätte ich wirklich nicht gerechnet. Ich denke, wir haben wirklich viele Die Hard Fans. Im Juli spielen wir ein großes Festival in Norwegen und ich denke, daß wird auch toll werden. Da wir nun auch schon zehn Jahre zusammen sind wollen wir Livescheibe zu unserm Jubiläum im Oktober in Australien aufnehmen. Ich hoffe, daß diese dann auch über Nuclear Blast rauskommen wird. Ich denke auch, daß "Hammer Of God" unser mit Abstand bestes Album geworden ist. Es ist auch anders geworden als seine Vorgänger. Ich war in den Achtzigern Mitglied einer klassischen Metalband und stand schon immer auf Thrash à la Sodom oder Slayer. Ich wollte diese Musik nehmen und sie in einem modernen Gewand präsentieren. Ich denke diese Mischung ist wirklich originell und ich hoffe die Leute werden sie mögen.

Wo hast Du überhaupt diesen eisernen Willen her, der Dich immer wieder am Leben erhält?

"Die schlimmste Zeit war eigentlich die Phase vor "Triumph Of Mercy". Ich meine, ich lag zwei Wochen danach schon wieder im Koma und die Produktion litt stark darunter. Meine Antriebsfeder war auf jeden Fall, daß ich ein weiteres Album machen wollte. Das hat mich am Leben gehalten. Eigentlich hätte ich schon fünf Mal sterben müssen. Einmal gaben mir die Ärzte sogar nur noch zwei Stunden, aber ich sagte ihnen, daß sie mir keine Mittel zum sanften Einschlafen geben sollten und ich habe tatsächlich noch einmal die Kurve gekriegt. Von diesem Zeitpunkt an habe ich meine Angst verloren. In jeder Beziehung. Ich habe mich dann auch voll auf den Ausbau des Studios konzentriert und das hat sich auch im Bezug auf "Hammer Of God" vollkommen gelohnt, denn sie ist sehr ausgearbeitet und gut produziert. Wenn man die Anlage voll aufdreht klingt die CD immer noch sauber und gleichzeitig aggressiv. Das war gar nicht so einfach."